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Wie der geneigte Studierende die Kandidaten seines/ihres Vertrauens wählen kann, findet ihr bei der "Sendung ohne Maus" vom CampusTV Flace.24

Geschichte

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Was ist das?
Bachelor und Master (BA/MA) sind die Namen der Studienabschlüsse, welche die Bildungspolitik neu einführen will. Sie sollen die bisherigen Abschlüsse Diplom, Magister und Staatsexamen ablösen. BA/MA sind angelsächsische Studienabschlüsse, die nun auch in Europa eingeführt werden sollen. Beschlossen wurde dieser Strukturwechsel 1999 in der Stadt Bologna, weshalb er auch den Titel "Bologna-Prozess" trägt. Bemerkenswert ist, dass der Strukturwechsel nicht als demokratischer Beschluss, sondern bloß als "Prozess" verkauft wird.
"Vergleichbarkeit"
Vorgebliches Ziel soll eine internationale Vergleichbarkeit von Abschlüssen sein. Studierende mögen sich einbliden, das sei für sie gemacht und nützlich. Ähnlich wurde auch bei der Einführung des Euro argumentiert, nämlich dass die Einheitlichkeit eine "Reiseerleichterung" sei, obwohl die Kultusministerkonferenz mit daran werkelte, Europa zum weltweit stärksten Wirtschaftsraum machen. Würde man konsequent das Ziel einer Vergleichbarkeit anstreben, müßte man parallel die sehr unterschiedlichen Bildungssysteme der beteiligten Staaten einander angleichen. Das ist weder auf staatlicher noch auf innerstaatlicher Ebene geschehen, so dass z. B. der an der Uni Flensburg eingeführte Bachelor in Vermittlungswissenschaften auch keinesfalls eine Laufbahn als Lehrer am Gymnasium, sondern an den nieder angesiedelten Schulformen ebnet. Von einem national einheitlichen Schulsystem will die deutsche Politik nichts wissen.
Punkte - schon wieder?!
Mit den Abschlüssen wurde ein Credit-Point-System (ECTS) eingeführt, das dem Punktesystem der gymnasialen Oberstufe ähnelt: Den verschiedenen Bildungsveranstaltungen sind nun - wie in Sekundarstufe II des Gymnasiums - Punkte zugeordnet. Die Studierenden haben eine erheblich reglemtiertere Seminarwahl und eine erhöhte Zahl an Prüfungsleistungen zu erbringen. Die Möglichkeit selbstorganisierter Lernprozesse wird reduziert, das individuelle Lerntempo muss sich den Vorgaben der Institution beugen, was Ausdruck einer Verschulung des Studiums ist. Konnte man sich bisher für das Examen und das Diplom während des gesamten Verlauf des Studiums auf die Abschlußprüfungen vorbereiten, wird man im Bachelor kontinuierlich und konsekutiv mit zu erbringenden Prüfungsanforderungen konfrontiert, die in die Abschlußnote eingehen. Punktesammeln und Punktehamstern geraten gegenüber den Lerninhalten und ihrem umfassenden Verständnis in den Vordergrund.
Bemerkenswert ist noch die Wortwahl: Die Punkte heißen nicht einfach bloß "Punkte" (das wäre ja wie in der Schule), sondern kommen bedeutsam (man ist an der HOCHschule!) als "Credit-Points" daher. Mit den Punkten wird den Lernenden ein "Kredit" gewährt. Dieser wird dann auch gewährt, wenn nämlich die Zahl der Punkte hoch genug ist, um nach 3 Jahren Bachelor-Studium für die weiteren 2 Jahre Master-Studium zugelassen zu werden. Zuvor war es so, dass ein Abitur den Zugang zu einem Hochschulstudium von mindestens 5 Jahren verschaffte. Die Bachelor-Master-Struktur hat diese Berechtigung quasi eingeschränkt, denn die Berechtigung erfolgt nur für das Bachelor-Studium, in dem dann erst die Bewährung für das zusätzliche Master-Studium erkämpft werden muss. Stimmt die Punktezahl, erhält der Studierenden weiteren "Kredit", nämlich den Zugang zum Master-Studiengang, d. h. zum 4. und 5. Hochschuljahr.
Chancen?
Wenn professoraler Sachverstand die BA/MA-Abschlüsse sportlich-nett als "Chancen und Herausforderungen" verklärt, bleibt stets unausgesprochen, worin diese konkret bestehen. Existentiell sind nur die Studierenden betroffen, während dagegen die ProfessorInnen lediglich einige Verwaltungsvorschriften und Seminarplanungen zu ändern haben und materiell abgesichert sind. Studierende müssen ihre gesamte Studien- und Lebensplanung restriktiver auslegen, ohne dass sich darüber die Berufsaussichten verbessern. "Credit-Points" bedeuten eine zusätzliche Leistungsmessung (Benotung jedes Seminars) und erhöhen den Anpassungsdruck. Freiräume in der Studiengestaltung nehmen ab. Insbesondere der Abschluss Bachelor ist vorrangig auf beruflich-verwertbare Zwecke ausgerichtet. Für allgemeine Bildung, die man sich neben der und zusätzlich zur Berufsqualifikation aneignet, bleibt kaum noch Zeit. Sie wird zum Luxus.
Während man mit der Einschreibung in einen Diplom-Studiengang das Recht erwarb, mindestens 5 Jahre studieren zu dürfen, verkürzt der Abschluss Bachelor diese Erlaubnis auf nur noch 3 Jahre. Zugelassen für 2 weitere Lernjahre zum Master-Studiengang wird nur, wer sich als leistungsfähig und willig erwiesen hat. Der Abschluss Bachelor berechtigt aber keineswegs automatisch zum weiterführenden Master-Studium. Der Bachelor ist ein Kurzstudium, in dem die Sorge eher der Quantität an Credit-Points als der Qualität der Lerninhalte gilt.
Sah man sich am Ende der 4. Grundschulklasse und dem Schulabschluss bereits Selektionshürden gegenüber - zusätzlich zur Deckung der Lebenshaltungskosten -, ist der Master eine weitere Hürde, nun jedoch innerhalb der Hochschule. Selektiert wird über die Bachelor-Note oder/und "Gebühren", so dass der Master eine Option der finanziell besser gestellten Klientel werden kann. Dieser Klientel bereitet - dank Kreditkarte - auch die Finanzierung der (geforderten) Auslandssemester wenig Probleme. "Bildung für alle", ehemaliges bürgerliches Ideal im Kampf gegen die feudalistische Herrschaftsordnung des 18./19. Jahrhunderts wird über den ökonomischen Druck in der gegenwärtigen Demokratie weiterhin real negiert und bleibt Sonntagsreden vorbehalten. Daher absolvieren eben nur 18% eines Altersjahrgangs ein Studium, während die übrigen mit geringerer Qualifikation mit schlechter gestellten Jobs auskommen müssen. - Von wegen "Chancen".
Studentische Beteiligung
Die BA/MA-Studienabschlüsse wurden, passend zu diesen Ausschlusskriterien, ohne studentische Mitwirkung durchgesetzt. Der europäische Top-down-Prozess erreichte auch das Land Schleswig-Holstein. Ein Vertreter des Ministeriums setzte die Studierenden von den Veränderungen im Juni 2004 in Kenntnis. Statt des Ob, der Vernünftigkeit der Zwecke, wurde nur das Wie, d. h. die für die Umsetzung geeigneten Mittel, diskutiert.
Studierende sollten und sollen nur mitwirken bei dem, was höhere Instanzen bereits beschlossen hatten. Damit diese Mitwirkung "reibungslos", d. h. ohne Anmeldung eigener Wünsche und vor allem protestfrei verläuft, wirbt die Politik beim Volk bzw. den Studierenden um Akzeptanz und um Glaubwürdigkeit, dass die neuen Studienabschlüsse schon allen irgendwie nur Vorteile bringen.
Einige Begriffe vermittelten eine Ahnung, wie die Politiker planten: Nicht nur sorgte man sich um das "Humankapital", um "Resourcen", sondern man berechnete den "Workload" für die Studierenden und wollte Prüfungsleistungen nicht nur über Noten bewerten, sondern mit den "Credit Points" genau messen. Wer eine Anforderung nicht tempogemäß erfüllt, soll sogar mit sogenannten "Malus-Punkten" bestraft werden. Die Planungswirklichkeit drückt ein ökonomisches Bedürfnis aus, die Hochschule als eine Bildungsfabrik zu organisieren, in der - gemessen an einzelnen Fließbandabschnitten - Resultate messbar und Produktionserfolge sichtbar werden sollen.
BA in Flensburg

Bachelor (/ Master)
Vermittlungswissenschaften
an der Uni Flensburg Die Umsetzung der Einführung der neuen Studiengänge Bachelor (und Master) an der Universität Flensburg geschah seitens der Hochschule für das bisherige Staatsexamen Lehramt mit viel Einsatz im Herbst 2005, der gerade deshalb notwendig war, weil die Umstellung laut Rektorat "kostenneutral" erfolgen sollte und die Hochschule keine zusätzlichen Mittel bzw. zusätzliches Personal vom Kieler Ministerium bewilligt bekam. Der im Frühjahr 2005 neu ins Amt gekommene Staatssekretär Jost de Jager (CDU) war im Mai 2005 weitgehend ahnungslos, als der AStA um Auskunft bat, was den neuen Studierenden im Herbst 2005 zu empfehlen sei. Die Einführung des Bachelor in Vermittlungswissenschaften wurde im Sommersemester 2005 für das Wintersemester 2005/2006 relativ kurzfristig beschlossen. Die Studiengänge zum Lehramt mit dem Abschluss Staatsexamen wurden zeitgleich für eine Einschreibung geschlossen.
Am 09.06.2005 gab es an der Uni eine Informationsveranstaltung, auf der vorrangig die neuen technischen Möglichkeiten, der eigens für den Bachelor geschaffenen Online-Plattform vorgestellt wurden. Dadurch, dass der Bachelor-Studiengang mit lauter Prüfungen gespickt ist, stieg die Zahl der Fristen für die erforderlichen Prüfungsanmeldungen (die Hochschule räumte später ein, dass die Zahl der Prüfungen von 7 auf 70 gestiegen sei, d. h. um +900%!). Das sollte über eine bis dahin nicht erprobte Online-Plattform geschehen, über die sich alle neuen Bachelor-Studierenden für die Prüfungen anmelden soll(t)en.
Will man einen geplanten Zweck realisieren, sollte man die dafür geeigneten Mittel bereitstellen und mit ihnen das Erreichen des Zwecks sicherstellen. Geizt man an den Mitteln, kann es passieren, das der anvisierte Zweck nicht erreicht werden kann. Wie verlief die Einführung des Bachelor Vermittlungswissenschaften in Flensburg? >>
 

Kleine Presseschau
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Hamburger Gericht entscheidet über Jura-Bachelor (AStA Uni Düsseldorf, 14.11.05)